München ist nicht der fruchtbarste Boden für Wohnbegeisterung. Die hohen Mieten und die Wohnungsnot zwingen meist zu Kompromissen. Jul-e sieht das optimistisch: „Man muss eben kreativ mit dem vorhandenen Platz umgehen“. Die Pädagogin teilt sich 86 Quadratmeter Wohnfläche mit ihrem Freund, der vier jährigen Tochter und zwei Hunden im zentral gelegenen Stadtteil Isarvorstadt. Da ist es schon allein die begehrte Lage in unmittelbarer Nähe zum Flussufer Wert, beim Einrichten ein bisschen mehr Kreativität walten zu lassen. Wie genau Julia das macht, zeigt sie heute in ihrer Homestory. Hereinspaziert!




"Mir gefallen viele Stile, ich würde mich nicht nur auf einen einzigen festlegen wollen!"

Liebe Julia, wie lebst du?
Ich lebe gemeinsam mit meinem Freund, unserer vierjährigen Tochter und den beiden Möpsen Hugo und Frieda in einer Dreizimmerwohnung in der Münchner Isarvorstadt. Wir haben 86 Quadratmeter zur Verfügung. Allerdings geht ein Teil für unseren 14 Meter langen, schmalen Flur drauf. Als ich 2007 die Wohnung übernahm, witzelte mein Freundeskreis, ob ich dort Balletttraining abhalten wolle. Eine Kegelbahn war auch im Gespräch. Als Rennstrecke für die Hunde und als Spielplatz für unsere Tochter taugt er aber dennoch.
Bitte erzähle ein bisschen über dich.
Ursprünglich komme ich aus Bielefeld, ging aber bereits im Jahr 2000 im Alter von 20 zum Studieren nach München. Inzwischen arbeite ich seit über zehn Jahren als Sonderschullehrerin an einem Förderzentrum. Ich liebe meinen Beruf sehr. Er ist sehr vielfältig und die Arbeit mit vielen Menschen immer wieder spannend. Langweilig wird es sicher nicht. Ich bin ein sehr strukturierter Mensch. Das kommt mir beim Jonglieren zwischen Beruf, Familie und Hobbys entgegen. Ich bin eher ruhig, kann allerdings schlecht stillsitzen. Es gibt immer etwas, das ich noch erledigen, umräumen, kochen, etc. möchte.
Wie würdest du deinen Wohnstil beschreiben?
Mir gefallen viele Stile, und ich würde mich nicht nur auf einen einzigen festlegen wollen. Mir sind die alten geerbten Möbel wichtig. Der Mix zwischen diesen und Designklassikern macht für mich den Reiz unserer Wohnung aus.



Gibt es irgendwelche Besonderheiten an der Wohnung und wie bist du beim Einrichten vorgegangen?
Durch die Nord-Ost-Ausrichtung der Wohnung haben wir recht wenig Licht. Somit ist es mir eine helle Einrichtung wichtig und dass die Räume nicht zu vollgestellt erscheinen. Außerdem ist in der Wohnung ein dunkler, vom Leben gezeichneter Fischgrätparkett verlegt. Dieser ist zwar schön, trägt aber nicht unbedingt zu einem hellen Erscheinungsbild bei. Die Einrichtung der Wohnung erfolgte erst nach und nach. Einige betagte Möbel, zum Beispiel eine Kommode von meinem Ex-Freund, die alten Möbel aus der Arztpraxis meines Opas, sowie der Küchentisch aus WG-Zeiten waren von Anfang an vorhanden. Als mein Freund mit in die Wohnung zog, gab es eine Zeitlang ein Zimmer mit dem Inventar seines ehemaligen Jugendzimmers. Glücklicherweise wurde aus diesem „Grauen Salon“ schon bald ein Arbeitszimmer mit weißen Regalen und Schiebetüren. Die Küche haben wir 2013 nach unserer Elternzeit in Thailand austauschen lassen. Inzwischen gibt es definitiv keinen Platz – und keine Notwendigkeit – mehr für neue Möbel. Schade eigentlich! Es müsste das ein oder andere Stück weichen, um Platz zu schaffen.
Woher kommt deine Leidenschaft fürs Einrichten?
Meine Mutter hat ein Faible für das Dekorieren ihres Hauses. Das nahm sicher Einfluss auf meine Leidenschaft fürs Einrichten – und die meiner Schwester übrigens ebenfalls.
Hast du einen liebsten Einrichtungsgegenstand und was ist die Geschichte dazu?
Ganz klar der eierschalenfarbene Arztschrank in der Küche, welcher aus der Praxis meines verstorbenen Opas stammt. Bereits als kleines Mädchen habe ich darum gebeten, wenn er ihn einmal nicht mehr brauchen sollte, ich diesen später gern als Küchenschrank hätte.
Was bedeutet es dir, nach Hause zu kommen?
Zur Ruhe zu kommen, Kraft zu tanken und Kochen zu können.





Würdest du sagen, dass sich dein Charakter in deinem Wohnstil widerspiegelt?
Ja, das ist sicher so. Ich sagte schon, dass ich ziemlich strukturiert bin. Das spiegelt sich in einer ausgeprägten Liebe zur Ordnung wieder. In der Wohnung haben die meisten Gegenstände ihren festen Platz. Es sei denn, es überkommt mich einmal wieder der Drang zum Umräumen und Umgestalten. Zum Leidwesen meines Freundes, der dann etwa erst einmal die Zahnbürste nicht findet, weil sie aus ästhetischen Gründen nicht mehr auf dem Waschbeckenrand stehen soll – bis ich selbst einsehe, dass es einfach praktisch dort ist.
Wie hast du die Aufteilung und Einrichtung eurer Wohnung verändert, als Nachwuchs kam?
So glücklich ich auch über das helle Arbeitszimmer war, so war es der einzige Raum in der Wohnung, der noch Spielraum für ein Kinderzimmer bot. Da die Massen an Arbeitsmaterialien für meinen Beruf aber leider auch irgendwo hinmüssen und besagter Flur einfach keine Stauraumschränke verträgt, ließen wir das Zimmer mit einer Trockenbauwand teilen. Der vordere Teil mit Fenster ist nun Kinderzimmer. Der hintere, dunkle Teil mein Arbeitsbereich. Eine Schiebetür verbindet beide Räume. Aktuell ist dies eine gute Lösung. Wenn Madame dann zum Teenie wird, müssen wir mal schauen. Wie aber bereits Labelfrei treffend feststellte, verhindert die angespannte Wohnungsmarktsituation in München einen Umzug. So müssen wir einfach weiter kreativ mit dem vorhandenen Platz umgehen.



Wo kaufst du deine Möbel und Wohnaccessoires?
Das ist ganz unterschiedlich. Meistens suche ich nicht nach bestimmten Möbeln, sondern entdecke zufällig etwas Passendes. Wenn es doch einmal konkreter sein darf, schaue ich online gerne bei Car-Möbel, Octopus, oder Connox. In München statte ich immer wieder einmal Klewitz einen Besuch ab, wo es ab und zu tolle Einzelstücke gibt. Nach Wohnaccessoires stöbere ich gerne im Room to dream oder online bei Geliebtes Zuhause. Die schönsten Dinge finde ich aber oft auf Städtereisen wie zuletzt in Amsterdam.
Welche Muster, Farben und Materialien magst du persönlich besonders?
Da bin ich ein wenig eingeschränkt. Zuviel Farbe macht mich unruhig. Ich halte es beispielsweise nie lange aus, eine farbige Tischdecke anzuschauen. Auch wenn mir einmal eine Schülerin mitgeteilt hat, dass ich nicht immer Schwarz, Weiß oder Grau tragen solle, da Kinder bunte Farben lieben würden. Diese Farbpalette findet sich auch in den Textilien unserer Wohnung wieder. Neben dem Holz der alten Möbel gefallen mir die ehemaligen Arztschränke aus Metall sehr. Grafische Muster mag ich ebenso wie die natürlichen Strukturen von Fellen und Wolle.



Drei Dinge, die wir noch nicht über dich wussten:
Spontan fallen mir nur zwei Dinge ein: Seit dem Grundschulalter spiele ich Querflöte und Klavier – aktuell allerdings leider nur noch für den Haus- beziehungsweise Schulgebrauch. Außerdem tanzte ich bis vier Wochen vor der Geburt meiner Tochter die Nächte auf sogenannten „Gruftiepartys“ durch.
Hast du neben dem Einrichten noch andere Leidenschaften?
Sport zum Beispiel. Alles, was mit Bewegung draußen zu tun hat, tut mir gut. Joggen, Radfahren, an der Isar spazieren, in die Berge gehen – das ist super. Beim Yoga finde ich den passenden Ausgleich dazu. Außerdem gehört Kochen zu meinen absoluten Lieblingsbeschäftigungen – zur Freude von Familie und Freunden.
Bei dir vergeht kein Tag ohne:
Morgens eine Kanne grünen Tee zu trinken, in die Arbeit zu radeln (oder anderen Sport zu machen), ein veganes oder vegetarisches Mittagessen zu kochen und mit meiner Tochter zu spielen.
Wo trifft man dich in München?
Da wir in direkter Nähe zur Isar wohnen, verbringe ich gerne Zeit dort. Im Biergarten am Flaucher oder auch im Rosengarten zum Beispiel lässt sich ein entspannter Tag verbringen. Mit Freundinnen treffe ich mich gerne im Bon Valeur in der Innenstadt. Kaffeetrinken ist im Café Tagträumer schön. Ab und zu gehen wir ins Kerala in der Schumannstraße Essen – nicht wegen der Einrichtung, aber wegen der leckeren südindischen Küche. Überhaupt bin ich neugierig auf fremde Küchen: Afghanisch, Persisch, Thai – ein Hang zu Asien ist unverkennbar. Wie gut, dass wir in einer Großstadt leben. Nach Kleidung schaue ich ab und zu gerne im Cos am Marienplatz vorbei. Wie es aber im Alltagsleben mit einem Kindergartenkind so ist, verbringe ich bei gutem Wetter viele Spätnachmittage auf den Spielplätzen der Umgebung.
Vielen Dank für das Interview!
In Julias SoLebIch-Profil findet ihr noch mehr Fotos aus ihrer Münchner Wohnungen, von ihren Reisen und gutem Essen. Folgt ihr, um kein neues Bild zu verpassen!











