
„Die Wohnung hat noch viele schöne Originaldetails wie die extra breiten Dielen und die alten Kassettentüren mit Kastenschlössern“, schwärmt Lisa (32) aka [@Gründerzeitbruchbude] über ihre 58 qm große Altbauwohnung, die sich zudem in zentraler Lage befindet. Der Haken? An den kältesten Wintertagen fallen gerne mal Heizung und Warmwasser aus. „Ich nenne die Wohnung daher hassliebevoll meine ‚Gründerzeit-Bruchbude‘“, lacht Lisa und sucht mit einem Auge schon für sich und ihre Tochter (4) nach einer ruhigeren und zuverlässigeren Bleibe. Bevor sie jedoch auszieht, öffnet uns Lisa noch mal die Tür zu ihrer stilvoll eingerichteten Zwei-Zimmer-Wohnung, die durch einen Mix aus Antiquitäten und Designklassikern sowie einer Vorliebe für Kontraste besticht.
Wofür Lisa eine Lanze brechen möchte, wo sie ihre besonderen Einrichtungsstücke findet und welche sie als ihre größten Glückskäufe bezeichnet, hat sie uns in ihrer Homestory verraten.


Der halb abgeschliffene Küchentisch stand bereits in der Studenten-WG von Lisas Eltern. Nachdem Lisa nach einer Dekade mit diversen Auslandsaufenthalten und kindbedingter Pause ihr Studium beendet hat, arbeitet sie nun als Lektorin.

Die andere Seite in der Küche
Liebe Lisa, was bedeutet es dir, nach Hause zu kommen?
Da die letzten Jahre nicht ganz leicht für meine Tochter und mich waren, schätze ich es sehr, ein gemütliches, farbenfrohes Nest für uns beide zu haben, in dem wir uns wohlfühlen, spielen und toben, aber auch zur Ruhe kommen können.

Um den Eiermann-Tisch gesellt sich ein Stuhlmix aus dem ebenfalls von Egon Eiermann entworfenen SE 68 von Wilde + Spieth, dem Tripp Trapp von Stokke, dem von Arne Jacobsen entworfenen Serie 7 von Fritz Hansen sowie einem original Biedermeierstuhl (alles gebraucht gekauft).
Worauf legst du bei der Gestaltung deines Zuhauses Wert?
Dass die Einrichtung ihren Zweck erfüllt und funktional ist, mir dabei aber immer gefällt und es Spaß macht, sich hier aufzuhalten und umzuschauen. Trotzdem sind alle Sachen Gebrauchsgegenstände und sollen benutzt, beklettert und bespielt werden, müssen also stabil und langlebig sein, damit meine Tochter hier wild toben kann, ohne dass gleich etwas zu Bruch geht.

„Ich liebe es, wie meine kleine Mitbewohnerin sich die Wohnung aneignet: Das Sofa ist Trampolin, Kuschelecke und unbezwingbare Festung, der Mid-Century-Sessel Klettergerüst, die Fensterbretter Aussichtsplattform“, sagt Lisa. Das Mags-Sofa ist von HAY, die Parentesi-Leuchte von Flos, der Teppich ein vintage Azilal-Berberteppich von Etsy. Als Couchtisch und Spielzeug dient der Eames Elephant von Vitra.
„Ich leb lieber jahrelang ohne Deckenlampen, Sofa oder Bettgestell als mit ner Kompromisslösung.“


Viele Antiquitäten mit kleinen Macken findet Lisa relativ günstig auf Flohmärkten – so auch den Kleiderschrank. „Deren Schönheit tun dann ein paar mehr kindinduzierte Gebrauchsspuren auch keinen Abbruch“, erklärt Lisa.
Du bezeichnest dich selbst als langsam beim Einrichten. Was heißt das genau?
Ich bin sehr langsam mit dem Einrichten, das stimmt. Ich leb lieber jahrelang ohne Deckenlampen, Sofa oder Bettgestell als mit ner Kompromisslösung. Viele Möbel sind Erbstücke und begleiten mich schon mein halbes Leben, wie die Eichenkommode im Flur, der Küchentisch, der schon in der Studi-WG meiner Eltern stand und seitdem auf den „letzten Schliff“ wartet, oder der Kindertisch mit den Stühlen, die noch aus meiner Kindheit sind.


Die Eichenkommode im Flur ist ein Erbstück.
Du sparst auch lieber ewig auf besondere Klassiker …
Auf jeden Fall. Die meisten kaufe ich gebraucht. Inzwischen bin ich eine richtige Designmöbel-Jägerin geworden. Ich würde für ein tolles Einzelstück auch mal quer durch die Republik fahren. Ich habe keinen richtigen Einrichtungsstil und kein Gesamtkonzept, mein einziges Credo ist: Kontraste bringen Spannung und Antiquitäten machen jeden Raum gemütlich.


Der kleine Schreibtisch und das dazugehörige Teleskopregal sind Erbstücke von Lisas Großeltern: „Das ist klasse bei bröseligen Altbauwänden, weil einem das Bohren erspart bleibt. Wahrscheinlich haben sich meine Großeltern hier dran sitzend so manches Mal genauso den Kopf zermartert, wie ich es heutzutage tue.“
Einen Wunsch, der lange auf deiner Interior-Wishlist stand, hast du dir erst vor Kurzem erfüllt ...
Ja, ein 606-Regalsystem von Vitsœ, das 1960 von Dieter Rams entworfen wurde. Ich liebe das schlichte, funktionale Design einfach total.


Dieter Rams’ 606-Regalsystem ist ein Kleinanzeigenfund und hat mittlerweile einen Platz im Wohnzimmer gefunden. Die Kaminuhr hingegen hat Lisa auf dem Flohmarkt entdeckt.
Was würdest du als deinen größten Glückskauf bezeichnen?
Puh, schwierig, ich hatte einige tolle Funde. Neben meiner DCW-Mantis-Leuchte, die ich für den halben Preis im Sale ergattert habe, und meinen ganzen Antikmöbeln gehört der Mid-Century-Sessel dazu, den ich bei einer Haushaltsauflösung erstanden habe.

Lisas Glückskäufe? Hierzu zählt auf jeden Fall die BS2-Mantis-Wandleuchte über dem Esstisch, die Bernhard Schottlander für DCW Editions entworfen hat. Den Mid-Century-Sessel hat Lisa vor zehn Jahren für 10 € bei einer Haushaltsauflösung erstanden und erst zu Hause festgestellt, dass er sogar ausziehbar ist und als Gästebett funktioniert. Irgendwann möchte ihn Lisa aufarbeiten und neu beziehen, damit er wieder schön strahlt.
In welchen Merkmalen deines Zuhauses erkennst du dich am deutlichsten wieder?
Am ausgewählt bunten Stilmix und an den vielen Dingen, die ich selbst renoviert habe. Ich bin in den letzten Jahren richtig zur Handwerkerin geworden: Ich habe die Tapeten entfernt, die Fußleisten und Türen abgeschliffen und lackiert sowie die Böden geölt. Eigentlich ist die To-do-Liste für diese Wohnung noch ellenlang. Außerdem habe ich einige größere DIY-Projekte umgesetzt – zum Beispiel den praktischen Wäschehänger im Bad und ein selbst gezimmertes Hausbett für meine Tochter.


Hübscher Kontrast: die vintage Shogun-Leuchte von Mario Botta für Artemide auf der antiken Kommode aus eBay Kleinanzeigen. Das „Hausbett“ ist ein DIY von Lisa für ihre Tochter.


Ein weiteres DIY von Lisa ist der Wäschehänger über der Badewanne. „Seit Jahren bekomme ich von meinen Freunden zum Geburtstag Werkzeug geschenkt. Mein großer Traum ist es, mit ihnen einen alten Gutshof hier in der Gegend gemeinsam zu renovieren und dann dort zusammen zu leben“, schwärmt Lisa.
Mit welchen Charaktereigenschaften würdest du dich selbst beschreiben?
Willensstark (böse Zungen würden wohl dickköpfig sagen), empathisch, lustig und kreativ.
Welche drei Dinge wissen wir noch nicht über dich?
1. Ich bin ne waschechte Berliner Göre.
2. Das Schicksal hat mir vor über zehn Jahren eine beste Freundin beschert und uns seitdem immer beieinandergehalten. Nach mehreren Auslandsaufenthalten und einem gemeinsamen Masterstudium wohnen wir auch jetzt nur fünf Minuten Fußweg voneinander entfernt.
3. Ich habe Flugangst und reise deswegen prinzipiell nur mit der Bahn, unter anderem auf dem Landweg über Lettland, Russland, Kasachstan und Usbekistan nach Kirgistan.
Hast du noch andere Leidenschaften neben dem Einrichten?
Ich reise wahnsinnig gern und viel, vor allem nach Osteuropa. Ansonsten tanze ich und habe schon diverse Stile probiert – leider nichts davon mit wirklich langem Atem.


Kiew und Usbekistan
Was reizt dich so an Osteuropa und Zentralasien?
Ich muss jetzt unbedingt eine Lanze brechen für Osteuropa und Zentralasien als Reiseziele. Die Geschichte der Region – eigentlich müsste man sagen Regionen – ist komplex. Auch die Architektur spiegelt die wechselvolle Geschichte: In der Westukraine finden sich Konstruktivismus und Brutalismus neben Habsburger Eklektik. Kiew wurde genau wie Rom auf sieben Hügeln erbaut und hat eine tolle Clubkultur, St. Petersburg beeindruckt durch Barock und Klassizismus, in Moskau prägen die sieben stalinistischen Schwestern das Bild, in Usbekistan gibt es wunderschöne alte Moscheen neben totalitärer Gegenwartsarchitektur und Kirgistan hat eine wunderschöne Landschaft. Viel ist im Umbruch, die politischen Verhältnisse sind nicht unbedingt unproblematisch, aber man trifft wahnsinnig spannende und engagierte Menschen – ganz zu schweigen von der tollen klassischen und zeitgenössischen Literatur, die einen auch wunderbar auf Reisen mitnehmen oder begleiten kann.
“Gelegentlich lasse ich dann alles stehen, um schnell ein Angebot zu machen.”
Welche Frage hätten wir dir noch unbedingt stellen sollen?
Wie kommst du an deine Möbel?
Spannend! Und wie kommst du an deine Möbel?
Wenn ich mir ein bestimmtes Designerstück zulegen will, suche ich danach bei eBay Kleinanzeigen und vergleiche eine Weile die Preise. Wichtig ist, deutschlandweit zu suchen und Verkäufer anzuschreiben, auch wenn die angebotenen Sachen eigentlich nur zur Selbstabholung sind. Ich habe oft erlebt, dass eine freundliche Nachricht da Wunder bewirken kann und, sofern die Artikel schon lange drinstehen, der Versand manchmal sogar inklusive ist. Für besonders beliebte oder seltene Sachen lohnen sich Suchaufträge. Ich habe diverse Suchaufträge deutschlandweit und bekomme Benachrichtigungen, wenn neue Stücke eingestellt werden. Gelegentlich lasse ich dann alles stehen, um schnell ein Angebot zu machen. Für größere Sachen lohnt es sich auch manchmal, Beiladungen zu Umzügen zu buchen oder eben einen Roadtrip zu machen.



























