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▪️Januargedanken▪️

Etwas frische Blütenfarbe fürs Gemüt nach den letzten eisig kalten Tagen auf dem winterlichen Terrassentisch, den ich erstmal gründlich putzen musste, nachdem die Mäuse im wahrsten Sinne des Wortes "auf dem Tisch getanzt" und sich über meine weihnachtliche Natur-Deko hergemacht hatten.

Für alle, die Lyrik mögen, füge ich hier ein Gedicht von Kästner über den JANUAR ein, das ich bemerkenswert treffend finde - und das mich auch heute noch & wieder mal zum Nachdenken bringt:

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Man steht am Fenster und wird langsam alt.

Die Amseln frieren.
Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.

Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
Es heißt, die Tage würden wieder länger.
Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.

Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.
Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.
Silvester hörte man’s auf allen Sendern,
dass sich auch unterm Himmel manches ändern
und, außer uns, viel besser werden soll.

Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und ist doch hunderttausend Jahre alt.
Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Kriege?
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.

[Erich Kästner, Der Januar, 1955]
Bild des Benutzers Peter Panter
Peter Panter
Mitte Januar, Terrassentisch, Sitzecke, Hyazinthe
334x angesehen - 14.01.2026

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