Die Zeiten und Wohnzimmer ändern sich!
Wie haben eigentlich die Menschen früher gewohnt? Was sagt uns die Einrichtung über die Bewohner von damals? Zur Zeit befasst sich das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts in Baden-Baden mit genau diesen Fragen. Noch bis zum 28. August 2011 findet dort die Ausstellung „Schöner. Wohnen. Damals. Die Erfindung der bürgerlichen Familie im 19. Jahrhundert“ statt. Leider werde ich wohl nicht hinfahren können, aber zumindest werde ich mich in drei Beiträgen einmal mit dem Wohnen im Wandel der Zeit befassen. Hier geht es um Wohnzimmer, die anderen Beiträge befassen sich mit dem Kinderzimmer und dem Bad.
Das Wohnzimmer gilt weithin als Mittelpunkt einer Wohnung. Es kann die unterschiedlichsten Zwecke erfüllen: Esszimmer, Lese-Oase, Austragungsort für Kaffeekränzchen, Heimkino,... . Durch eine offene Bauweise und einen vorzeigbaren Kochbereich ist oft gar nicht mehr ganz klar, wo das Wohnzimmer endet und die Küche beginnt, wie bei Mitglied Luckyguy. Das hat für Köche und Köchinnen den Vorteil, dass sie sich nicht länger ausgeschlossen fühlen müssen. Gesonderte Esszimmer werden dagegen immer seltener, oder hat von euch noch jemand eins?
Nur Aufenthalt oder auch Kochen – früher eine Frage des Geldes
Vor 100 Jahren waren Wohnküchen noch keine Frage von Einrichtungsstil. Damals waren viele Haushalte wegen Platzmangel einfach gezwungen, Küche und Wohnzimmer zusammenzulegen. Der Raum war in erster Linie für die Hausarbeit gedacht und weil er oft der einzige beheizte war, wurde er auch zum Aufenthaltsbereich. Auf dem Kanapee faulenzen stand nicht zur Diskussion.
Bei reichen Familien sah die Wohnzimmer-Lage schon ganz anders aus. Da waren nicht nur Küche und Wohnraum getrennt, es gab auch ein separates Speisezimmer und einen Salon. Wer es sich damals leisten konnte, hatte neben dem Wohnzimmer noch einen Salon um Gäste zu empfangen. Als Sparversion des Salons galt noch bis in die Sechziger Jahre hinein, die "gute Stube", ein Raum der kaum genutzt wurde und gerade deshalb ein Statussymbol war, wenn man sich ihn leisten konnte.
Nutzen contra Gemütlichkeit
Für alle diejenigen, die dagegen Platz sparen mussten, wurde die Einbauküche erfunden. Die Pionierin war 1926 die Frankfurter Küche – kompakt und zweckmäßig. Weil aber die Küche geschrumpft ist, wanderte der Esstisch ins Wohnzimmer, das in stilbewussten Haushalten auch immer mehr auf Funktionalität ausgerichtet wurde. Scheinbar muss ein Wohnzimmer aber vor allem eins sein: gemütlich. Denn obwohl Geradlinigkeit und Ausrichtung auf Nutzen der letzte Schrei in der Nachkriegszeit waren, konnte das kühle Design den Geschmack der Masse nicht treffen.
Mehr zum Thema Wohnzimmer findet ihr hier: Mittelpunkt und Lebensraum: das Wohnzimmer // Einfach Fallenlassen! Sofas und Sessel für das Wohnzimmer // Farbgestaltung Wohnzimmer: Einrichten mit Farbe
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KOMMENTARE
toller text, wunderbare bilderauswahl, guter einstand
willkommen & grüsse
sehr schöner beitrag – textlich und visuell!
Schöner Text und fantastische Bilder, gefällt mir total gut! LG
ich werde hinfahren können und es vermutlich auch tun.
"Als Sparversion des Salons galt noch bis in die Sechziger Jahre hinein, die "gute Stube", ein Raum der kaum genutzt wurde und gerade deshalb ein Statussymbol war, wenn man sich ihn leisten konnte"
die gute stube lebt noch - bei den eltern von meinem freund und anderen menschen, die in der region leben.
ich finde es ganz unglaublich und fast schon furchtbar, dass die ein gut eingerichtetes (auch wenn es nicht mein geschmack ist) wohnzimmer haben, das aber nur benutzt wird, wenn gäste kommen, während sie tagein tagaus abends in einem lieblosen dunklen loch auf alten möbeln hocken. das geht nicht in meinen kopf.
@LiLmiri - ich kenne das von meiner Oma auch. Das Wohnzimmer war immer in dem gleichen Zustand. Die Kissen aufgeschüttelt mit Knick in der Mitte. 1 x in der Woche wurde gesaugt und abgestaubt. Dann blieb es wieder unberührt.
Stimmt, für uns unvorstellbar - kostbaren Raum zu haben, der nicht genützt wird.
@Andy - ein schöner Beitrag zu einem interessanten Thema! lg
@tino68 - vor allem finde ich es so traurig, dass das alltagswohnzimmer so absolut lieblos ist. wenn der platz da ist, verstehe ich ja irgendwie noch, dass man einen gästebereich hat. aber ich verstehe nicht, dass man den raum, den man selbst nutzt, so verkommen lässt.
bei den eltern von meinem freund ist es halt das wichtigste, dass die nachbarn/die gäste gut von einem denken (und vor allem: auch gutes über einen erzählen) und wenn man nur für den schein lebt, bleibt man selbst auf der strecke. das ist meine meinung, die jetzt irgendwie vom thema abweicht.
@LiLmiri, das hört sich stark nach ländlichem Baden Württemberg an.
Immer schön angepasst.
Wobei Schwiegereltern sind natürlich sooo ein Thema
Ich bin mit meinem Mann jetzt 25 Jahre zusammen (unglaublich eigentlich - na ja mit diversen Krisen) über diese Zeit hat sich das Verhältnis zu meinen Schwiegereltern verbessert. Sie lassen jetzt mehr los - in jeder Beziehung - und das ist gut so.
Time will tell - sag ich immer.
es ist sehr sehr ländliches nordrhein-westfalen.
laut meiner mutter ist das in etwa so wie ländliches baden-württemberg vor 50 jahren *g*
LiLmiri... kenn ich irgendwo her. Ich bin in Suedwestfalen aufgewachsen. Und dort ist es einfach so... meine Mama erzaehlt mir jetzt noch wer, wann und vorallem wie gestorben ist.
Das kriegt man aus den Menschen dort nicht raus... und immer schoen am Fenster sitzen bleiben damit man nichts verpasst was der Nachbar grad so macht. Jaja... ich bin dann irgendwann gefluechtet... in den Norden. Da macht ja jeder so sein Ding...
die mutter von meinem freund erzählt ihm das auch immer. und auch wer heiratet und wer ne neue freundin hat und dabei betont sie ca. 100 mal wie ortsverbunden die alle sind. (im gegensatz zu ihm, der nicht in den norden, sondern in den süden floh
)mittlerweile lachen wir nur noch drüber.
Vielen Dank für euer Lob und eure zahlreichen Kommentare zu meinem Beitrag über Wohnzimmer!
Freut mich, dass auch gleich so eine rege Diskussion begonnen hat. Es macht ja nichts, dass das Thema von der guten Stube und dem Wohnzimmer ein bisschen Richtung Nachbarschaftsleben gerutscht ist.
Ja 'ne Andy? Ach noch ein herzliches Willkommen falls ich es noch nicht erwaehnt habe.
Klasse dein Beitrag...
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