Uncle Sam is calling! Wohndesign in den USA

katinkarin 19.07.2011 - 10:27 3 3.205 (2x gemerkt) Text merken 

Dear passengers, please fasten your seatbelts …  Entschuldigung, ich hab gerade erst eine kleine Flugreise hinter mir und den netten Stewardessen-O-Ton noch im Ohr... Wie dem auch sei, wir machen heute eine etwas längere Reise, denn wir fliegen über den großen Teich an die US-amerikanische Westküste, genauer gesagt nach San Francisco.

Die USA sind ja ein recht junges Land, das nicht  unbedingt auf Jahrhunderte alte Traditionen zurückgreifen kann, aber seit der Landung von Christoph Columbus sind mittlerweile doch schon ein paar Dekaden vorbei gezogen. Jetzt könnte man sich also die Frage nach einer amerikanischen Identität, besonders in Sachen Wohndesign, durchaus mal stellen.

Amerikanischer Pragmatismus trifft europäisches Wohndesign

„Es gibt im eigenen Land keine Tradition des Designs, weder handwerklich noch intellektuell? Gut, dann holen wir uns unsere sophisticated-te Einrichtung mit Sinn für Qualität und Innovation eben aus good old Europe!“  So oder so ähnlich könnte die pragmatische Devise von Rob Forbes gelautet haben, der Ende der 90er Jahre mit seinem Unternehmen DWR (Design Within Reach) nicht nur europäische Designermöbel unters amerikanische Volk gebracht, sondern auch einen essentiellen Bildungsauftrag für sein Land ausgeführt hat.

Das modernistische Design Verner Pantons, Eero Saarinens und Mies van der Rohes schwappte natürlich schon vor DWR über den großen Teich, wo es z.B. die Eames beeinflusste.
Aber das Bewusstsein dafür, was gutes Design ist und wofür es steht – Integrität, ästhetischer Anspruch, Originalität – fehlte den Amerikanern voll und ganz. Die Glanzleistung  des Möbelverkäufers DWR war also, der breiten Masse dieses Design zugänglich zu machen und den amerikanischen Markt dafür zu erschließen. Für Nachwuchsdesigner aus den USA, wie Jeffrey Barnett und Ted Boerner, war DWR darüber hinaus ein willkommenes Sprungbrett.

Aufstieg und Niedergang

Das Unternehmen  erlebte einen cometenhaften Aufstieg inklusive hoch dotiertem Börsengang, allerdings überlies Rob Forbes' 2001 seinen Chefsessel zunächst Wayne Badovinus und dann Ray Brunner, was sich als fatal erweisen sollte. Beide lancierten eine Expansion des Unternehmens und schreckten schließlich nicht mal vor Plagiaten zurück, wodurch sie DWR schleichend aber beständig in eine High-End Version von Pottery Barn zu verwandeln drohten. Die Authentizität war dahin, DWR in der Krise: der Hauptinvestor hat 2009 die Notbremse gezogen und Brunner gefeuert – und wir dürfen gespannt sein, ob DWR seinen einstmals so guten Ruf wieder herstellen kann.

In der Slideshow findet ihr einen Auszug aus der Produktpalette, die bei DWR angeboten wird. Ein preisgekrönten Artikel über DWR vom amerikanischen Journalisten Jeff Chu.

Und wer noch mehr will, sollte sich Teil 2 von Wohndesign in den USA: New York ansehen.

KOMMENTARE

Bild des Benutzers miraculusa

ganz toll geschrieben und wunderbare neu-entdeckungen. DANKE und lg


Bild des Benutzers _frida_

Ich bin gerne mitgeflogen; es war ein angenehmer Flug!!!! Liebe Grüsse,_frida_


Bild des Benutzers katinkarin

Dankeschön! Es war mir eine Freude! Ich begrüße euch gerne wieder an Board! Wink


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