Homestory: Zu Besuch bei "Eva" in Hannover
Éva ist 40 und arbeitet als Designerin und freie Künstlerin in Hannover. Mit ihrem Partner und ihren drei Kindern lebt sie seit 8 Jahren in einer 165qm großen Altbauwohnung. Ihre Einrichtung hat eine sehr persönliche Note, sodass sich Éva in den Gegenständen selbst wiederfinden kann. Viele ihrer selbstgestalteten Werke könnt ihr auch auf ihrem EmilunddiegroßenSchwestern Blog sehen und im Shop und Laden sogar kaufen.
Wie würdest du selbst deinen Wohnstil beschreiben?
Meinen Wohnstil würde ich als "Mischtechnik" beschreiben. Ein Stilmix aus alt und neu, Kunst und Design, Gekauftes, Gefundenes und Selbstgemachtes, harmonisch und ungewohnt. Der Zitat vom Erich Carle fällt mir dabei ein. "Ein bißchen dies, ein bißchen das, kunterbunt vom allem was".
Was bedeutet dir deine Wohnung?
Alles, was um mich herum ist, muss mir und der Familie gefallen, ich muss mich mit den Gegenständen wohlfühlen. Unsere Wohnung ist ein Rückzugsort vom Arbeitstag, ein Treffpunkt für Familie und Freunde, auch mal ein Kinderspielplatz, der Ort an dem wir Energie tanken können, an neue Ideen tüfteln. Es ist unsere persönliche Wohlfühloase.
Hast du einen besonderen Lieblingsplatz in deiner Wohnung?
Ich bin gerne in unserer Küche mit dem winzigen Balkon und dem Blick auf die große Kastanie. Es hat den Charakter eines kleinen Bistros oder Kantine. Es scheint, wie ein Magnet zu wirken, wenn man hier sitzen bleibt kommt man hier nicht mehr weg. Aber ich mag unsere Wohn- und Arbeitszimmer auch, wo wir gerne abends lange sitzen, Musik hören und lesen und den Tag ausklingen lassen.
Hast du ein besonderes Lieblingsstück in deiner Wohnung?
Ich liebe den Leuchter von Emil Stejnar aus den 50-er Jahren. Ich habe lange danach gesucht und irgendwann leuchtete er mir bei einem Dorftrödler entgegen. Es ist wunderschön, wenn der wie eine große Pusteblume leuchtet.
Aber es gibt noch viele Gegenstände in der Wohnung, an denen besondere Geschichten hängen und die mir ans Herz gewachsen sind.
Wo und wie lässt du dich inspirieren?
Es gibt einige Zeitschriften die ich gerne anschaue. Zu meinem Lieblingen gehören die Elle Decoration, gerne auch aus anderen Länder, die spanische AD, die französische Marie Claire Maison, aber ich stöbere auch gerne durch Wohnblogs und suche nach außergewöhnliche Ideen.
Genauso inspirierend finde ich Kunst, oder interessante Fundstücke, die dann kurzerhand Ideen liefern, wobei das Möbel rücken und neu dekorieren dann vorprogrammiert ist.
Wie ist deine Einrichtung entstanden?
Unsere Einrichtung ist mit uns zusammen gewachsen. Sie ist in ständiger Veränderung. Manche Gegenstände bleiben für immer oder länger, manche müssen einfach gehen und für Neues Platz machen. Es gibt einige, meist praktische Sachen, die ganz bewusst ausgewählt sind, die meisten finden uns aber einfach.
Wie hast du deinen Einrichtungsstil gefunden?
Meinen Einrichtungsstil fand ich durch das ausprobieren. Klar beeinflussen mich auch Trends und neues Design, das werden sie auch immer tun. Ich filtere einfach aus, was mir gefällt und bin immer offen für etwas Neues. Was mir heute nicht gefällt, heißt nicht, dass es morgen nicht in meiner Wohnung steht.
Gibt es Dinge, die Freunde an deiner Wohnung besonders mögen und loben?
Ich glaube, viele mögen den Mix aus schlicht und ungewöhnlich und die Großzügigkeit der Räume.
Hast du vielleicht auch einen konkreten Wohn-Tipp? Was sind deiner Meinung nach absolute NO-GOs beim Einrichten?
Alltagsgegenstände und Plunder zur Kunst erheben und gekonnt präsentieren. An nicht-gewohnten Stellen, sind sie ein Hingucker und sorgen für Gesprächsstoff. Auch wenn man viele tolle Sachen besitzt, muss nicht alles rumstehen. Es ist viel spannender die Sachen auszutauschen und neu umzustellen oder dekorieren.
NO-GOs? Sachen, die ich hässlich finde, den ganzen Tag anschauen zu müssen. Alles, was nicht gefällt, muss gehen. Oder wenn es nicht anders geht, hinter geschlossenen Türen verweilen.
Wie stehst du zu „Deko“?
Vieles kann dekorativ sein. Selbst eine quietschegelbe Plastiksaftflasche in Zitronenform kann eine witzige Vase werden und es hat nichts gekostet. Die Sachen müssen einfach wirken können. Die überlegte Platzierung ist wichtig.
Was ist dein persönliches Geheimnis eines gelungenen Stilmixes?
Es gibt keine Tabus. Alles kann nebeneinander stehen, wenn es nur eine Kleinigkeit gibt, was sie zusammenfasst. Ein kleiner, wiederkehrender Farbtupfer zum Beispiel. Wie schon gesagt, weniger ist mehr. Im Zweifelsfall lieber ein Stück weglassen.
Gibt es Dinge in deiner Wohnung, die du selber gemacht hast?
Vieles in der Wohnung ist durch unsere Hände gewandert. Ob es die Wände sind, Kissen, oder an den Wänden hängende Fotos und Zeichnungen. Es sind unsere Arbeiten.
Hast du noch ein paar Einkaufstipps. Wo findest du schöne Möbel und nette Accessoires?
Flohmärkte und Trödel, Sperrmüll und Galerien, Internetshops und Reisen.
Einfach die Augen aufhalten. Meistens wenn man nicht zwanghaft sucht, findet man die tollsten Sachen, weil der Blick nicht auf eine bestimmte Sache fixiert ist.
Welche Art von Kunst gefällt dir besonders gut?
Ich liebe Kunst, die mich berührt. Ganz besonders gerne mag ich Zeichnungen. Gerne würde ich ein Bild von Martin Eder bei mir in der Wohnung haben. Irritierend großartig. Vor kurzem habe mich bei einer Ausstellung in ein Foto von David LaChapell verliebt. Ein Blumenstillleben, wie ein altmeisterliches Gemälde. Kunst sollte man nicht als Wertanlage kaufen, sondern für die persönliche Bereicherung.
Hat sich dein Einrichtungsstil verändert seitdem du Kinder hast?
Zu meinem Leben haben die Kinder immer dazugehört. Meine große Tochter wird 20, die mittlere 17, Emil 3,5. Es war immer selbstverständlich, die Wohnungen so auszuwählen, dass sie auch ihr eigenes Reich haben, wo sie ihre persönlichen Schätze hüten können.
Welche Dinge sammelst du besonders gerne?
Ich sammle Vasen. Weiße Op-Art Vasen aus den 60-er Jahren und schwere Glasvasen aus der gleichen Zeit, Kunst und Designbücher. Lampen finde ich auch toll, aber die würde ich nicht als Sammlung bezeichnen.
Wie setzt du Farben ein?
Ich mag Farben in der Wohnung als Akzente eingesetzt in eine eher neutrale Umgebung. Vor einer dunkelgrauen Wand sehen die schlichtesten Gegenstände, wie kleine Kunstwerke aus.
Die Farbe der Wände wähle ich immer demnach aus, welche Stimmung ich erzeugen möchte. Wände sind für mich wie Leinwände. Ich zeichne, male, collagiere darauf, und wenn es mir absolut nicht gefallen sollte, kann man es immer noch weiß überrollen. Gerne altere ich Wände, um ihnen mehr Leben einzuhauchen, allerdings passt das nicht in jedes Interieur.
Man sollte mutig sein und wenn einem eine Idee vorschwebt, einfach ausprobieren. Am besten erst an einer Wand, dann kann man immer noch weiterschauen.
Wie ist deine Liebe zu den Flohmarkt-Dingen entstanden? Was ist dein persönlich wertvollster Fund?
Mein erster Fund war der große altdeutsche Schrank im Wohnzimmer. Ich war 17, als ich es bei einer alten Schneiderin im Schuppen entdeckte. 5 Jahre habe ich gewartet und fragte sie danach. Sie bekam ein neues Regal für ihre Marmeladen, ich den Schrank. Die Restaurierung und der Transport nach Deutschland haben wesentlich mehr gekostet.
Ich habe ein kleines Ölgemälde, das ich zu meinem 18. Geburtstag bekam. Es war Liebe auf den ersten Blick. Dafür gab es keinen Führerschein mit 18. War mir egal, ich holte ihn dann mit 35 nach und fahre doch nicht. Das Bild schaue ich aber täglich gerne an.
Würdest du selbst sagen, dass es Parallelen zwischen deiner Einrichtung und deinem Charakter, deiner Persönlichkeit gibt?
Meine Einrichtung spiegelt meinen Charakter wieder. Es sind meine persönliche Erinnerungen, Farben, Formen, meine Interessen, Ausschnitte aus meinem Leben, die sich hier widerspiegeln.
Herzlichen Dank für das Interview.
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KOMMENTARE
Und ob diese Whg einen Charakter hat...
Meiner Meinung nach spiegelt sie auch den Charakter der Einrichterin wieder... stimmts? 
Ciao...
Sehr sehr schön! Deine Zeichnungen auf Wänden find ich großartig! Sag bescheid, wenn du mal im Saarland bist und dich kreativ austoben willst
Liebe Grüße
Ich liebe Deine Wohnung! Deine Einrichtung ist sehr inspirierend und zu der grandiosen Vasensammlung brauch' ich ja nichts sagen, oder
?! Ganz toller Bericht 
ich hab ja viele lieblingswohnungen, aber diese hier...
mir geht es wie carajo: ich liebe sie einfach!
weil sie trotz ihrer schlichtheit bunt ist, ausdrucksstark und frisch, wandlungsfähig und fantasiereich und einfach mit so viel leben gefüllt ist.
Stimmt ich mag auch viele von Euren Wohnungen. Allerdings gibts nur wenige wo ich mich "auch" wiederfinde. Und das waere hier und bei ankasu.
Ciao...
so toll- eure wohnung wirkt so echt und authentisch und überhaupt nicht"eingerichtet" und man merkt einfach, da wird gelebt!
die vasensammlung ist echt der hammer! 
deine wohnung ist ganz fantastisch! ich liebe jedes detail
Ganz wunderbar!
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