Die Küche – Seit über 100 Jahren das Herz der Wohnung
In meinem historischen Beitrag zu Wohnzimmern habe ich das Thema „Küche“ schon gestreift, jetzt möchte ich mich noch etwas ausführlicher mit der Geschichte von Küchen befassen.
Die Küche als gesellschaftliches Zentrum
Noch vor einhundert Jahren gab es nur in den wenigsten Haushalten die Küche als gesonderten Raum. Meistens war sie mit einem Ess- und Aufenthaltsraum verbunden, was unter anderem daran lag, dass nur hier an wärmespendender Ofen war. Genau wie zu Urzeiten traf man sich an der Feuerstelle nicht nur zum essen, sondern konnte sich dort auch mit anderen austauschen. Und auch heute besteht wieder die Tendenz, die Küche in den Rest des Zuhauses zu integrieren, weniger aus Not als aus einem Bedürfnis nach Kommunikation zwischen den Räumen und den Menschen darin.
Effizienz für Küche und Mensch
Doch vor allem im 20. Jahrhundert gab es auch das genaue Gegenteil, die zweckorientierte, isolierte Küche. Schon 1926 wurde mit der Frankfurter Küche der Grundstein für funktionale Küchen bis hin zur „Laborküche“ gelegt. Zu dieser Zeit wurden auch die ersten Resopalplatten hergestellt. Diese gepressten Platten aus Dekorpapier und künstlichem Harz erlaubten ganz neue Oberflächengestaltung und waren außerdem extrem widerstandsfähig. Die Frankfurter Küche war für vereinfachte und flüssige Arbeitsvorgänge optimiert. Noch 1970 fand sich dieses Credo in Anzeigentexten wie „Mit dieser Küche bücken Sie sich im Jahr 12000 Mal seltener, heben 700kg weniger und sparen sich 1200km!“ Auch wegen der nationalsozialistischen Doktrin der Vereinheitlichung und wirtschaftlicher Knappheit, zog man rationalisierte und leistungsorientierte Küchen vor. Deshalb bildete auch die Baukastenküche von AEG 1943 einen Teil der von Albert Speer herausgegebenen „Bauordnungslehre“. In Zeiten des Wiederaufbaus wollte man zuerst behelfsmäßig das Nötigste garantieren. Erst später kamen auch ästhetische Überlegungen ins Spiel.
Die Einbauküche – ein erfolgreiches Prinzip
Es dauerte noch bis in die 60er Jahre bis die Einbauküche ihren großen Durchbruch feiern konnte. Zur selben Zeit kamen auch vermehrt elektrische Küchengeräte in die Haushalte, die in Schränken verstaut werden wollten. Um eine Oberfläche „wie aus einem Guss“ zu erreichen, wanderten Kühlschrank und andere Geräte hinter die Schranktüren. Keine Ecke blieb ungenutzt und Bügelkammer, Vorratsraum und Waschküche konnten oft in die Küche integriert werden. Damals war die Einbauküche der Traum vieler Deutscher und abgetrennte Kochbereiche lagen bei Umfragen noch vorne.
Eine Küche zum Wohlfühlen
Anfang der 70er Jahre stieg dann das Bedürfnis nach wohnlicheren Küchen. Man verwendete Holzfronten und verzichtete bei manchen Regalen ganz darauf, damit der Blick auf Küchenutensilien mit dekorativem Wert frei war. Schon Ende der 40er Jahre hatte man in der Sowjetunion mit der Sholtowski-Küche eine neue Art von Wohnküche entwickelt, die später auch in der DDR verbreitet war. Diese Variante versuchte, den Übergang zwischen Küche und Wohnzimmer zu glätten, indem die Arbeitsküche nur durch eine Glaswand vom Essplatz getrennt war und dieser dann nahtlos ins Wohnzimmer überging.
Noch heute fällt beim Umbau die Entscheidung oft auf eine Küche mit Wohnqualität. Wer kocht, will nicht länger außen vor bleiben und eine Wand anstarren müssen. Der Blick auf die Gäste oder zumindest aus dem Fenster macht die Hausarbeit doch gleich viel angenehmer. Mit der Rückkehr des Tisches in die Küche sind Zubereitung und Verzehr des Essens wieder vereint und dank zusätzlichem Platz kann man lernende und spielende Kinder im Auge behalten oder sich unterhalten.
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KOMMENTARE
Die Küche ist für mich auch ein zentraler Raum. Zzt. haben wir nur einen kleinen Frühstückstresen in der Küche, aber wir werden demnächst ein Haus bauen und haben eine große Küche mit Essplatz eingeplant. Irgendwie ist es in der Küche einfach immer gemütlich, wenn man gemeinsam kocht oder auch bei Partys. Für mich muss eine Küche daher nicht nur funktional, sondern auch gemütlich sein. Schwedenküchen treffen da bei mir ins schwarze. Egal, ob nun vom großen schwedischen Möbelhaus, oder von anderen Herstellern. Ich meine eher die Ausstrahlung. Nicht zu steril, hell und modern, aber nicht kalt. Wir haben unsere selbst aufgebaut und werden das im neuen Haus mit der neuen Küche auch wieder machen. Man bekommt da gleich eine ganz andere Verbindung ...
Ein wirklich interessanter Beitrag! Ich beschäftige mich auch gerade sehr mit dem Thema Küche, da wir diese ja bald umbauen. Allerdings kann ich mit den sterilen Einbauküchen vieler Anbieter gar nichts anfangen. Die Kücheninspirationen hier in der Community sind da schon viel hilfreicher, denn sie zeigen Küchen im Leben und nicht im Katalog
!
Ich werde immer `schlauer` dank Solebich!!!! Vielen Dank für die tolle Aufbereitung und liebe Grüsse,_frida_
ich schließe mich riccarda an, ich finde die werbebilder vieler küchenanbieter überhaupt nicht ansprechend.
ich finde was die werbung betrifft, ikea am besten. mfg
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