Designgeschichte Teil 21: Die Neunziger und die Nuller

11.10.2011 - 08:08 Oliver 1 1.309 (1x gemerkt)

Im (vorerst?) letzten Teil der Designgeschichte kommen wir in der Gegenwart an und eigentlich könnte ich hier fast endlos Fotos aus der Community anführen, aber lasst euch überraschen, welche Designer ich für euch herausgesucht habe.

 

In einer Welt voller Widersprüche werden materielle Objekte zur Heimat des Ich

In einer sich immer schneller globalisierenden Gesellschaft, die zugleich einen beispiellosen technischen Fortschritt erlebt und angesichts schwindender Rohstoffvorräte und Konfrontationen und Konflikten zwischen Kulturen und Religionen tief verunsichert ist, erfüllt Design auch die scheinbar widersprüchlichen Sehnsüchte nach Mobilität und Unterhaltung auf der einen und Privatsphäre auf der anderen Seite: Materielle Objekte bieten sich dazu an, Emotionen, Erinnerungen oder Wünsche auf sich zu ziehen und zu bündeln. Entsprechend vereinen sich in der Kunst und im Design an vielen Stellen eine spielerische Grundhaltung und eine 'neue Ernsthaftigkeit', die Wert legt auf ökologische Verträglichkeit. Ein Beispiel ist Philippe Starcks Kunststoff-Stuhl Louis Ghost (2002), der in seiner barocken Form mit historischen Bezügen spielt und gleichzeitig modernste Fertigungstechniken nutzt, um höchste Haltbarkeit zu erzielen – laut Starck ist die Verwendung von langlebigen Kunststoffen das einzige, was die Erde noch retten kann.

In den Neunziger Jahren entsteht als Gegenbewegung zu dem auf Wirkung bedachten Stil der Achtziger ein Minimalismus, der aber auch recht schnell wieder als zu radikal kritisiert wird. Schließlich bildet sich ein Mittelweg zwischen diesen beiden radikalen Richtungen heraus, der die beiden Pole Purheit  (vor allem in den Materialien) und Wärme (in der Verarbeitung und in der Anmutung der Objekte) miteinander verbindet.

Die großen Namen des Gegenwartsdesigns

Wichtige Designer der letzten zwei Jahrzehnte sind:

  • Philippe Starck ( Mr. Impossible; Dr. No, Juicy Salif, Ara; KTribe S3; KTribe W; Miss K; Long and Hard; Lord Yo-Stuhl (Driade), Dr. No-Stuhl (Kartell), Zitruspresse (Alessi), Ara (Flos),BaObab)
  • Ron Arad (Voido; Bookworm, Tom Vac)
  • und Tom Dixon (Pylon Chair; S-Chair, Jack; Copper Shade; Beat Light; Mirror Ball; Wingback Chair; Felt Shade; Slab Chair, Wire Coatrack; Serpentine; The Big Easy TZ001; Ripple Chair)

Die drei profilierten sich in den 80er Jahren dadurch, dass sie in Handarbeit, besonders mit dem Schweißbrenner, provokativ behelfsmäßig wirkende Möbel herstellten. Mittlerweile sind beide mit ihren originellen, innovativen Entwürfen erfolgreich und weit verbreitet. Der vielfach mit Designpreisen ausgezeichnete Italiener Antonio Citterio (T-Chair; Suita Sofa; Shaker Stove, Kelvin) kombiniert sachliche, moderne Linienführungen und modernste Materialien mit Formen, die die Vergangenheit wachrufen. Ein wichtiger Vertreter des Gegenwartsdesigns in Deutschland ist Nils Holger Moormann, der aus ungewöhnlichen Materialien und Formen schlichte, aber geistreiche Objekte zusammensetzt. Andere bekannte Designer der letzten Jahre sind Hella Jongerius (Polder Sofa, 2005), Alfredo Häberli (Stuhl Taormina, 2006), Konstantin Grcic (Chair One, 2004), Stefan Diez (Stuhl 404, 2007), Patricia Urquiola (Stuhl Tropicalia, 2008) sowie Ronan und Erwan Bouroullec (Softshell Chair, 2008). Ein aktuell sehr innovativer und auf hochwertiges Design bedachter Möbelhersteller ist das deutsche Unternehmen e15, das mit international anerkannten Künstlern und Designern wie Arik Levy, Stefan Diez, Mark Holmes, Hans de Pelsmacker, Philippe Allaeys, Bernhard Wilhelm, Mark Borthwick und Farah Ebrahimi zusammenarbeitet.

KOMMENTARE

Bild des Benutzers xxlenaxx

Ich finde, der Stingray, ein Entwurf von Thomas Pedersen aus dem Jahr 2002, ist schon ein echter Klassiker. lg


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