Designgeschichte Teil 2: Die Möbel des Mittelalters

05.08.2011 - 12:08 Oliver 0 1.080

In der Kunstgeschichte wird das Mittelalter in zwei Hauptepochen unterteilt: die Romanik und die Gotik.

Romanik

Die Romanik fällt in die Zeit von etwa 700 bis 1250 und ist gekennzeichnet durch die Dominanz der Kirche in der Gesellschaft und die Abwesenheit eines städtischen Bürgertums. Künstlerische Energien konzentrieren sich auf den Kirchenbau und die Buchmalerei. Berühmte Beispiele für romanische Kirchen sind die Kaiserdome in Speyer, Mainz und Worms. Aus dieser Zeit sind nur wenige Möbelstücke erhalten, und unsere Vorstellungen von den Möbeln dieser Zeit stammen überwiegend aus Buchmalereien, Fresken oder Reliefs. Die dort dargestellten Möbel sind in Form und Schmuck sehr einfach und an praktischen Bedürfnissen orientiert.

Die Gebrauchsmöbel der Romanik sind einfache, wuchtige, aus einem Stamm mit Axt und Beil gehauene Stücke. Sitzmöbel werden aus massiven Holzblöcken geschlagen. Schnitzereien sind dürftig und nehmen  meistens die Form keilförmiger Kerbmotive an. Manchmal wird Stoff oder Leder als schmückende Bespannung verwendet.

Die wenigen erhaltenen romanischen Möbel stammen aus Kirchen und Klöstern, sind also weniger Gebrauchsmobiliar als vielmehr Möbel, die zeremonialen oder repräsentativen Zwecken dienten. Sie sind mit wenigen typischen Schmuckelemente wie Rundbögen, Arkaden und Rosetten versehen. An vielen Möbelstücken findet man reich verzierte Eisenbeschläge, die die vollendete Schmiedekunst der Zeit verdeutlichen. Die wichtigsten Möbel dieser Zeit sind die Truhe, der Stuhl und Sitzbänke.

Gotik

Die Romanik wird um 1250 zunächst in Frankreich, dann auch in Deutschland und den kleineren mitteleuropäischen Ländern von der gotischen Architektur abgelöst.

In Deutschland dauert die Gotik stellenweise bis ins 16. Jahrhundert hinein. Neu in der Malerei und der Literatur der Gotik ist das Bemühen um realistische Darstellung menschlicher Gefühle. Das für die gotische Architektur zentrale Bauwerk ist die Kathedrale, in der die christliche Ideenwelt durch Symbolik und Allegorie verbildlicht wird und die als Gesamtkunstwerk des Mittelalters Architektur, Plastik und (Glas-)Malerei vereint. Bekannte Beispiele gotischer Kirchengebäude sind Notre Dame in Reims (13. Jahrhundert), der Veitsdom in Prag (14. Jahrhundert), der Kölner Dom (15. Jahrhundert) und das Ulmer Münster (15. Jahrhundert).

Die Möbel der Gotik sind weniger wuchtig als die der Romanik. Neue Erkenntnisse in der Holzverarbeitung, insbesondere die Berücksichtigung der unterschiedlichen Holzeigenschaften und die Entwicklung der Sägemühle ermöglichen neue Bauformen und Konstruktionen. Leichte und dünnwandige Konstruktionen ersetzen die bisherigen robusten Bauweisen. Im Lauf der Zeit entwickeln sich mit steigenden Ansprüchen des Bürgertums abwechslungsreich gestaltete und verzierte Möbel. Holzvertäfelungen an Wänden und Decken werden beliebt. Wandmöbel werden aneinandergereiht, die Raummitte bleibt frei und wirkt hell und geräumig.
 Aus der Truhe entwickelt sich ein halbhoher Schrank. Je nach Breite ist der Schrank mit einer oder zwei Türen versehen. Als Sitzmöbel werden mit Kästen unterbaute Bänke und aufklappbare Stühle verwendet. Typische Erkennungsmerkmale gotischer Möbel sind Rankenschnitzereien und Spitzbögen. Ebenfalls typisch sind schlichte lange Tische und Sitzbänke für Festsäle oder ähnliche Funktionen, die um 1900 von der Arts and Crafts-Bewegung wiederentdeckt wurden.

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