Designgeschichte Teil 11: Arts and Crafts-Bewegung 1870-1920

06.09.2011 - 08:17 Oliver 0 1.123

Die von den beiden Engländern John Ruskin und William Morris ausgehende Arts and Crafts-Bewegung (übersetzt 'Künste und Handwerke') ist eine Gegenbewegung zum schwülstigen Historismus, die um 1870 aufkommt und damit chronologisch parallel zu ihm verläuft.

Die Kunst- und Handwerkstheorie der Arts and Crafts-Bewegung

Die Arts and Crafts-Bewegung reagiert auf die schnelle Industrialisierung und die Massenpro

duktion von Möbeln mit der Forderung nach klarer Gestaltung, handwerklicher Qualität und Verwendung nur der besten Materialien. In diesen Forderungen drückt sich auch die nostalgische Sehnsucht nach einer einfachen ländlichen Welt und der Rückkehr zu schlichten, ehrlichen Werten aus. Dabei werden diese Ideen auch stark von sozialistischen Vorstellungen beeinflusst. Besonders deutlich wird dies bei William Morris. Weitere wichtige Vertreter der Arts and Crafts-Bewegung sind Charles Rennie Mackintosh, Walter Crane, Arthur Heygate Mackmurdo, Charles Voysey, Charles Robert Ashbee und William Lethaby.

Vor allem William Morris betrachtet die Veränderung der Möbelgestaltung zum Handwerklichen hin als Teil einer künstlerischen und gesellschaftlichen Reform. Sein Credo ist, dass gute Kunst und gutes Kunsthandwerk die Menschen und das Alltagsleben zum Besseren verändern können: Guter Stil ist Ausdruck eines guten Lebens und gleichzeitig ein Mittel zu dessen Verwirklichung. In einer Reihe von Schriften vertritt Morris utopische Ideen von einem mittelalterlich geprägten Leben auf dem Land, das auf Mechanisierung und Industrie verzichtet und zu Schönheit, Gerechtigkeit und menschlicher Würde führen soll.

Arts and Crafts-Interieurs
Die Mitglieder der Arts and Crafts-Bewegung fertigen aus heimischen Hölzern, vorwiegend aus Eiche, schlichte, geometrisch klar aufgebaute Möbel nach traditionellen Formen. Dekorelemente werden nur sparsam verwendet. Die Möbel sind schön, praktisch und stabil konstruiert und beziehen ihre Schönheit aus der natürlichen Farbe, der Wärme und der Maserung hochwertiger Hölzer. Betont werden senkrechte und waagerechte Linien. Häufig sind sichtbare Konstruktionsbestandteile ein wichtiger Teil des Möbelentwurfs. Strikt abgelehnt wird jede Form von funktionslosem Ornament.

Typische Arts and Crafts-Interieurs sind bestimmt von mittelalterlichen Möbeltypen wie Sitzbänken, Geschirrkästen und langen Tischen. Wichtig ist der Gedanke der Materialgerechtigkeit: Die Form der Möbel soll sich nach den Eigenschaften der für ihre Herstellung verwendeten Materialien richten. Oft werden Stoffe mit komplexen floralen Mustern wie Blüten, Früchten, Laubwerk und Vögeln in natürlichen Farben verwendet.

Um 1900 werden in Großbritannien die Prinzipien der Arts and Crafts-Bewegung auf vielen Gebieten umgesetzt: In der Architektur, Malerei, Grafik, Buchgestaltung, im Bereich der Glasherstellung, der Teppiche, der Keramik und der Weberei. Die zentralen Merkmale der Arts-and-Crafts-Bewegung – Einfachheit, Materialgerechtigkeit und Verzicht auf funktionslosen Dekor– beeinflussen ebenso wie Morris' Gedanke, dass Kunst gerade in einer industrialisierten technischen Gesellschaft eine entscheidende Rolle spielt, Kunstrichtungen wie Art Nouveau/Jugendstil, Wiener Sezession, De Stijl und Bauhaus.

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